Diamantene Konfimation am 07.11.2004

Das Diamantene Konfirmationsjubiläum ist in Hambergen inzwischen ein Festtag mit Tradition, neben dem Goldenen und dem Silbernen Jubiläum, jeweils am ersten Sonntag im November. In diesem Jahr stand dabei der Gottesdienst zugleich im Zeichen der FriedensDekade unter dem Motto „Recht ströme wie Wasser“. Pastor Ulrich Marahrens hielt die Predigt über den Text zu diesem Sonntag aus der Reihe der Friedensgebete: Gen. 9,12-13

„Welche Bilder mögen Sie, liebe Konfirmationsjubilare, besonders vor Augen haben an einem Tag wie heute? Welche Erinnerungen werden lebendig an Ihre Konfirmandenzeit vor 60 Jahren? Durch die Aufzeichnungen in der Gemeindechronik zieht sich 1944 eine blutige Spur, die der Krieg in unserer Umgebung gelegt hat. Mehrmals wurden Personenzüge auf der Strecke zwischen Osterholz-Scharmbeck und Lübberstedt von Flugzeugen aus bombardiert. Oder Vieh wurde auf den Weiden durch Beschuss aus der Luft getötet. Häuser wurden in Schutt und Asche gelegt.

Die Bedrohung mag auch hier auf dem Lande tagtäglich greifbar gewesen sein, wenn die Bevölkerung mit einemmal mitten im Alltag durch die Sirenen in die Bunker gerufen wurde.

1944 – das war auch das Jahr des gescheiterten Attentats auf Adolf Hitler am 20. Juli vier Monate nach Ihrer Konfirmation. Ob Sie sich wohl als Jugendliche für solche Nachrichten interessiert haben mögen? Jedenfalls waren diese Ereignisse wie auch die spätere Hinrichtung der Männer, die das Attentat geplant hatten – einige von ihnen Männer der Kirche – nicht dazu angetan, die Aussichten auf ein baldiges Ende des Krieges zu stärken.

Ob Sie als Kinder damals wohl mit besonderer Freude zum Himmel gesehen haben, wenn sich dort an einem Tag mit dem besonderen Mix von Regen und Sonnenschein am Horizont ein Regenbogen zeigte. Ob Sie sich wohl auf den Weg dorthin gemacht haben, wo dieser bunte Himmelsbogen unten auf die Erde traf. Ein Schatz soll dort ja zu finden sein. Ja, zu allen Zeiten hat sich die besondere Faszination dieses Lichtphänomens erhalten, zu allen Zeiten ist es ein zauberhaftes Bild von besonderem Reiz geblieben, wenn sich ein Regenbogen über die Landschaft spannt.

Es mag sein, dass Ihnen damals auch die biblische Geschichte von Noah und seiner Arche begegnet ist, die mit diesem Zeichen des Regenbogens ihr versöhnliches Ende findet. Nach aller Zerstörung, nach der verheerenden Katastrophe, in der Gott den Menschen als der strafende Richter begegnet, nun dieses Zeichen der Versöhnung, ein Mahnmal sozusagen für den letztlich doch guten, bewahrenden Willen Gottes zugunsten seiner Schöpfung.

Die Andachten zur FriedensDekade möchten uns heute dieses Bild vor Augen stellen: „Und Gott sprach: Das ist das Zeichen des Bundes, den ich stifte zwischen mir und euch und den lebendigen Wesen bei euch für alle kommenden Generationen. Meinen Bogen setze ich in die Wolken; er soll das Bundeszeichen sein zwischen mir und der Erde.“ (1. Mose 9,12-13)

Ein Friedenszeichen, ich stelle mir vor, nach 5 Jahren Krieg werden sich bei Ihrer Konfirmation am Sonntag vor Ostern 1944 viele danach gesehnt haben. Heute möchte dieses Naturereignis für uns als ein solches Friedenszeichen hinter oder über all unseren Erinnerungen stehen. Es ist schon denkwürdig und erschreckend, wenn nach mehreren Jahrzehnten im Blick auf unsere Welt auch in unseren Breiten sich wieder neu die Angst vor dem Gespenst des Krieges breit machen möchte.

Doch Vernichtung und Tod soll nach Gottes Willen nicht das letzte Wort über seine Schöpfung haben. Sein letztes Wort ist die Zusage: „Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“ Wie gut ist es doch, sich unter solche Verheißung gestellt zu wissen, gegen alle Angst. Gott hat einen Bund mit uns Menschen geschlossen, mit dem er verspricht, dass nach seinem Willen niemand aus solcher Verheißung herausfallen wird.

Daran möchten wir uns in dieser FriedensDekade gemeinsam mit vielen Gemeinden und christlichen Gruppierungen erinnern lassen. Und damals vor 60 Jahren haben Sie sich mitten in einer bedrohten Zeit in diesen Bund hineinstellen lassen. Ein Bund, der Geltung gehabt hat für alle bisherigen und für alle kommenden Generationen. In Jesus aus Nazareth hat dieser Bund greifbar Gestalt angenommen.

„Stimmt es, Gott, dass du den Regenbogen als Zeichen des Friedens zwischen die Menschen gesetzt hast?“, schreibt Dom Helder Camarra zu der Geschichte von Noah und der Sintflut. Und er fährt fort: „Dann schaffe doch am Himmel ein mächtiges Zeichen, das die Gewissen der Völker erschüttert, dass sie sehen, Kriege sind ein Irrtum.“

Doch, es stimmt, wer den Regenbogen nicht übersieht, wer den Friedenszeichen nachgeht, den Zeichen der Versöhnung und Gerechtigkeit, wird einen Schatz entdecken können, der Hoffnung macht und ermutigt, selber zu Boten des Friedens zu werden.“

Pastor Ulrich Marahrens