Diamantene Konfirmation am 05.11.2006

Text: Jer. 29,1+4-7+10-14

1 Dies sind die Worte des Briefes, den der Prophet Jeremia von Jerusalem sandte an den Rest der Ältesten, die weggeführt waren, an die Priester und Propheten und an das ganze Volk, das Nebukadnezar von Jerusalem nach Babel weggeführt hatte
4 So spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels, zu den Weggeführten, die ich von Jerusalem nach Babel habe wegführen lassen:
5 Baut Häuser und wohnt darin; pflanzt Gärten und esst ihre Früchte;
6 nehmt euch Frauen und zeugt Söhne und Töchter, nehmt für eure Söhne Frauen und gebt eure Töchter Männern, dass sie Söhne und Töchter gebären; mehrt euch dort, dass ihr nicht weniger werdet.
7 Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum HERRN; denn wenn's ihr wohlgeht, so geht's auch euch wohl.
10 Denn so spricht der HERR: Wenn für Babel siebzig Jahre voll sind, so will ich euch heimsuchen und will mein gnädiges Wort an euch erfüllen, dass ich euch wieder an diesen Ort bringe.
11 Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe das Ende, des ihr wartet.
12 Und ihr werdet mich anrufen und hingehen und mich bitten und ich will euch erhören.
13 Ihr werdet mich suchen und finden; denn wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet,
14 so will ich mich von euch finden lassen, spricht der HERR, und will eure Gefangenschaft wenden und euch sammeln aus allen Völkern und von allen Orten, wohin ich euch verstoßen habe, spricht der HERR, und will euch wieder an diesen Ort bringen, von wo ich euch habe wegführen lassen.
Königsberg, Swinemünde, Marienwerder, Danzig, man muss nicht in Erdkunde bewandert sein, um diese Ortsnamen zu kennen. In unserem Kirchenbuch des Konfirmationsjahrgangs 1946 fand ich sie unter den Geburtsorten der Mädchen und Jungen. Viele von ihnen waren wohl mit den Flüchtlingstransporten im Februar, März und am Ostersonntag des Jahres zuvor hierher nach Hambergen gekommen. An einem Tag wie heute werden Erinnerungen wieder neu lebendig. Da gab es auch die Vikarin Fräulein Vogel aus Tilsit, die damals den Konfirmandenunterricht der Flüchtlingskinder übernahm.
Wie mögen Ihre Erfahrungen damals gewesen sein, als Sie den Ort Ihrer Kindheit hinter sich ließen und auf teilweise abenteuerlichen Wegen hierher gelangten? War es wohl gleich vorstellbar, hier neu Wurzeln schlagen zu können oder es überhaupt zu wollen? Nicht überall werden Sie sich willkommen gefühlt haben. Reibungslos kann es wohl kaum laufen, wenn so viele auf einmal Lebensraum beanspruchen; wenn der Platz in der Schule nicht mehr ausreicht und eine Klasse im Konfirmandensaal der Kirchengemeinde untergebracht werden muss; wenn Lehrer entlassen werden aufgrund ihrer Parteizugehörigkeit und durch neue Lehrkräfte ersetzt werden.

In unserem heutigen Predigttext finde ich manch eine Parallele zu der Geschichte nicht nur unseres Ortes in der damaligen Zeit. Es ist ein Teil eines Briefes, geschrieben vom Propheten Jeremia an die Menschen, die aus ihrer Heimat Jerusalem nach Babylon vertrieben worden waren. Kein Wunder, dass sie fragen: Wo ist nun unser Gott? Lassen Sie sich erinnern, wenn ich einige Sätze daraus nochmals lese:
Lesung: V.4-7

Damals der Aufruf: Richtet euch ein in einer zunächst fremden Umgebung. Klammert euch nicht an die Hoffnung einer baldigen Rückkehr. Lasst es euch und den Menschen um euch zum Besten werden und sucht die Gemeinschaft. Und für die Ortsansässigen bedeutet das: Gebt den Hinzukommenden Raum unter euch. Es gibt Dörfer, wo heute noch manchmal zu hören ist: Es hat uns auch ganz gut getan, dass wir nicht so unter uns geblieben sind; dass „frisches Blut“ hineingekommen ist.

Welche Bedeutung mag es damals vor 60 Jahren für Sie gehabt haben, in einer für Sie noch fremden Gemeinde konfirmiert zu werden; verantwortliches Mitglied dieser christlichen Gemeinschaft zu werden; den Segen Gottes für den weiteren Weg zugesprochen zu bekommen? Viele sind hier geblieben, andere sind weitergezogen, schon bald oder später als Erwachsene. Hier und anderswo, bis hin nach Nürnberg, haben Sie Lebensorte für sich und Ihre Familien gefunden.

Der Prophet möchte damals Mut machen, seinen Platz in der Gemeinschaft zu suchen. Und heute feiern Sie wieder Gottesdienst in unserer schönen Kirche, die sich seit damals deutlich verändert hat. Nicht nur dieses Gebäude, sondern auch das Umfeld und die Arbeit in der Gemeinde. Jahrzehnte nach Ihrer Konfirmation (1989) wird das neue Gemeindehaus hier neben der Kirche eingeweiht. Als Leitwort finden wir darin eben diesen Satz: „Bemüht euch um das Wohl des Landes.“, anknüpfend an den Abschnitt aus dem Buch Jesaja.

Ja, auf diesem Weg sind wir nicht nur in unserer St. Cosmae- und Damiani – Gemeinde. Wir suchen immer wieder neu unseren Platz in sich verändernden Zeiten und wirken immer nicht zu unserer eigenen Sicherung, sondern zum Wohl der Allgemeinheit. „Bürger in Uniform“, diese Kennzeichnung für Soldaten der Bundeswehr lässt sich für uns abwandeln als „Bürger und Bürgerinnen in der Nachfolge Jesu“. Was uns verbindet, ist das feste Vertrauen und der Glaube, dass Gott Frieden und nicht Leid für uns als seine Kinder möchte.

Lied: 395,1-3 Vertraut den neuen Wegen

Pastor Ulrich Marahrens