Gottesdienst am 13. Mai 2007 (creARTour)

Liebe Gottesdienst-Gemeinde,
creARTour –
Das ist ein zusammengesetztes Wort:
Aus Creativ – für das Künstlerische, das an diesem Wochenende in unserer Samtgemeinde ausgestellt wird und zu betrachten ist.
Dazu der zweite Begriff: Tour. Es gibt 25 Stationen, die auf der Tour besucht werden können
25 Stationen, an denen Künstlerinnen und Künstler ihre Werke ausstellen.
Erstmals gehört auch unsere Kirche zu diesem Raum der offenen Tür im Rahmen der Creatour.

Und hier in der Kirche hören wir bei dem Wort eben auch das ganz andere mit:
Kreartur – das Wort steht für Tiere und Pflanzen, es steht für Geschaffenes, für etwas, was aus der Kreativität Gottes entsprungen ist.
So, wie es in der ersten Schöpfungserzählung der Bibel in der Reihe der 6 Schöpfungstage aufgezählt wird.
Vom Licht am ersten Tag bis zum letzten Tag – bis zum Menschen.

Kreartur – dazu gehört die Mariendistel.
Diese Pflanze hat Frau Kolberg mit ihren Bildern ins rechte Licht gerückt.
Eine Distel – ein lästiges Unkraut für jeden Gartenbesitzer.
Eine Jahrtausend alte Heilpflanze – die in ihren Garten geweht wurde.
Eine Kreatur, die so vieles widerspiegelt von der Kreativität des Schöpfers, mitsamt seiner Zuwendung zu uns Menschen.
Das eine wie das andere ist in besonderer Weise wiederzuentdecken in der Samenkapsel der Mariendistel. Sie sieht aus wie eine Dornenkrone.
Als Christen hören wir sofort:
Die Schöpfung Gottes leidet an vielen Stellen, wie Christus als der Sohn des Schöpfers unter der Dornenkrone vor seinem Tod am Kreuz litt.
Die Schöpfung braucht unser Mitgefühl!
Zugleich hören und sehen wir in dieser Kreatur: Mit diesem Leiden Jesu hat Gott uns von Sünden erlöst. Im Vertrauen zum Leiden und sterben Jesu finden wir zurück zu unserer ursprünglichen Ebenbildlichkeit Gottes: Wir sind erlöst, befreit.
Wir finden in unserer Erlösung die Kraft, auch die Schöpfung von den Fesseln des Leidens zu befreien.

Auf diesem zweiten Bild sehen wir:
Die Pflanze wiegt sich im Wind -
Sie hat etwas von der Form eines Regenbogens angenommen –
Beschützend, wie das Wort aus der anderen Urgeschichte von der Sintflut sagt: Uneingeschränkt steht der Wille Gottes über seiner Schöpfung, sie zu behüten und zu bewahren.
In dem so geschaffenen lichtvollen Hoffnungsraum, den die Mariendistel unter diesem Bogen schafft, sind Frauen zu sehen.
Leicht angedeutet, aber doch als solche zu erkennen.
Frauen.
Sie kommen in der von Männern geprägten Gesellschaft, in der die Texte der Bibel entstanden, schlecht weg.
Sie tauchen äußerst selten mit ihren Taten oder ihren Namen auf.
Sowohl in der Bibel, als auch später in der Geschichte der Kirche.
Wir wissen das alle und hören diese Kritik von Frau Kolberg mit:
Auch wenn von der katholischen Kirche Maria als Mutter Jesu erhöht und glorifiziert wird, bleibt die Gleichberechtigung auf der Strecke. Und wir sehen es gegenwärtig auch an dem Friedensprozess in Nordirland:
Die beiden ehemaligen Feinden, der protestantische Vertreter und der katholische Vertreter reichen sich die Hände, um das Land nun in Frieden zu regieren.
Das ist wunderbar!
Aber es waren zwei Frauen – Mairied Corrigan und Betty Williams aus dem katholischen und protestantischen Lager, die über Jahre hinweg ökumenische Friedensmärsche organisierten.
Die den Friedenprozess in Gang gesetzt und ermöglicht haben.
Frauen gehen unter.

Hier unter der Mariendistel treten die Frauen sichtbar hervor.
So wie der Wert alles Geschaffenen in der Distel spürbar wird, so auch alles Geschaffene in dem Bild der Frau.
Ins rechte Licht gerückt, damit der Mensch – Frau wie Mann zurückfindet zu dem, was er nach Gottes Willen vor allem anderen als seine Kreatur ist: Sein Ebenbild.
Erlöste, befreite Kreatur.
Der Mensch – die Frau : Kreatur – Ebenbild des Schöpfergottes.
Der Mensch – der Mann – Kreatur – Ebenbild des Schöpfergottes.
Nur eben: Die Ebenbildlichkeit existiert nur gemeinsam, in der von Gott gewollten Vielfalt und Unterschiedlichkeit
Das macht Gottes Schöpfung aus.
Was so unterschiedlich ist, das gehört zusammen.
Frau und Mann,
Mensch und Tier, Mensch, Tier Pflanze, Kinder und Erwachsene.
Alles zusammen ist erst Kreatur: Von Gott Geschaffenes.
Darin erfährt der Mensch den beglückenden Reichtum der Schöpfung Gottes.
Unser Leben ist eingebettet in diese wunderbaren Zusammenhänge der Schöpfung.
Unter dem Regenbogen, unter der Verheißung, dass alles bewahrt werden soll, durch die und den, die mit der Ebenbildlichkeit Gottes ausgestattet worden sind.
Im Umgang mit der Schöpfung sind wir gefordert wie Mütter und Väter im Miteinander mit ihren kleinen Kindern.
Was zu allererst zählt ist die Liebe.
Und aus ihr heraus gilt zu tun, was dem Kind zu einer gesunden Entwicklung verhilft.
Auch in diesem Miteinander ist der Mensch in seiner göttlichen Ebenbildlichkeit gefordert.
Erwachsene, wie Mütter und Väter und Paten, aber auch wir als Wegbegleiter der Kinder, nehmen die kleine, die liebesbedürftigen hinein in den Zusammenhang der Schöpfung.
Sie bekommen das Gefühl vermittelt, Kreaturen zu sein – Geschaffenes, göttliches Geschenk - schon mit Gottes Ebenbildlichkeit ausgestattet, aber noch in ihrer Empfindsamkeit, in ihrer Verletzlichkeit, so, wie Frau Kolberg die Verletzlichkeit dargestellt mit der Nacktheit der Frauen und ihrer Körper.
Die Kinder fordern uns in besonderer Weise zu diesem sensiblen Umgang heraus:
Die Schöpfung zu behüten und zu bewahren.

Alles gehört in dieser Kreatürlichkeit zusammen.
Das ist der Schatz, der uns als Kreaturen so reich macht.
Und schließlich auch das gehört dazu
Der letzte Schöpfungstag, der Tag mit der Ruhe des Schöpfergottes.
Gerade dieser Abschluss der Schöpfungserzählung zeigt an, dass die ganze Schöpfung etwas Göttliches in sich trägt.
Etwas Heiliges, dem Menschen nicht Verfügbares, etwas Geheimnisvolles.
Gott ruhte am Ende.
Es ist die Ruhe, in der er seine Schöpfung loslässt – eben wie ein liebender Vater, wie eine liebende Mutter, die ihre Kinder loslassen, dass sie eigene Wege gehen.
Zu dieser Ruhe gehört die Bestätigung: Siehe es war ALLES gut.
Gott ruhte am letzten Tag.

Pastor Heino Hüncken